Wie das Master Key System jungen Menschen hilft, Aufmerksamkeit, Selbstvertrauen und die Freude am eigenen Lernen zurückzugewinnen
Vielleicht sitzt du im Unterricht und verstehst nur die Hälfte. Der Lehrer erklärt etwas, andere melden sich, und du hast das Gefühl, alle seien längst weiter als du. Zu Hause öffnest du das Buch, liest denselben Absatz mehrmals und weißt danach kaum noch, was darin stand. Vor einer Klassenarbeit nimmst du dir vor, rechtzeitig zu lernen, doch plötzlich ist der Abend davor, und du versuchst hektisch nachzuholen, was über Wochen liegen geblieben ist.
Wenn das häufiger geschieht, entsteht schnell ein gefährlicher Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.
Vielleicht hältst du dich für dumm, faul, unkonzentriert oder ungeeignet für die Schule. Vielleicht haben andere diese Wörter sogar benutzt. Lehrer, Eltern oder Mitschüler können erstaunlich schnell urteilen, besonders wenn sie die Ursachen hinter einer Leistung nicht kennen.
Eine Note zeigt jedoch nur, wie gut du zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Aufgabe unter bestimmten Bedingungen erfüllt hast. Sie zeigt nicht deinen ganzen Verstand, deinen Wert oder das, was aus dir werden kann.
Das Master Key System beginnt mit einer wichtigen Aussage: Kraft ist bereits in dir vorhanden. Du musst sie nicht erst von einem Lehrer, einer Note oder dem Lob anderer erhalten. Du musst aber lernen, sie wahrzunehmen, zu ordnen und richtig einzusetzen. Genau darum geht es beim Lernen.
Wenn ein Schüler eine schlechte Note schreibt, sieht die Schule zunächst das Ergebnis. Die Antworten waren falsch, unvollständig oder fehlten. Was sie häufig nicht sieht, ist der Weg, der zu diesem Ergebnis geführt hat.
Vielleicht hast du den Stoff nicht verstanden. Vielleicht konntest du dich nicht konzentrieren. Vielleicht herrscht zu Hause Unruhe. Vielleicht hast du Angst vor Prüfungen und kannst plötzlich nicht mehr auf Wissen zugreifen, das am Vortag noch vorhanden war. Vielleicht wird zu schnell erklärt, oder die Art des Unterrichts passt nicht zu der Art, wie du am besten lernst.
All diese Ursachen können zu derselben Note führen.
Trotzdem behandelt das System sie oft gleich. Das Ergebnis wird rot markiert, eine Zahl daruntergesetzt, und damit scheint die Sache erklärt zu sein.
Das ist praktisch für die Verwaltung. Für den Menschen ist es zu wenig.
Eine Schule mit mehreren hundert Schülern braucht Regeln, Zeitpläne und vergleichbare Prüfungen. Das ist verständlich. Problematisch wird es, wenn aus dieser notwendigen Vereinfachung ein Urteil über die Person entsteht.
Dann heißt es nicht mehr: „Du hast diese Aufgabe noch nicht verstanden.“
Es heißt: „Du kannst das eben nicht.“
Genau hier muss der innere Wächter aufmerksam werden. Eine gegenwärtige Leistung ist kein endgültiges Urteil. Aus einem „noch nicht“ darf kein „niemals“ werden.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053