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Studienabbruch – gescheitert oder endlich ehrlich?

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Wie das Master Key System jungen Menschen hilft, nach einem Abbruch ihre Richtung, Würde und schöpferische Kraft zurückzugewinnen

Einleitung

Ein Studium abzubrechen ist schnell ausgesprochen. Zwei Worte genügen, und doch können sie sich im Inneren wie ein vollständiges Urteil anhören.

Studienabbruch.

Darin schwingen Versagen, Enttäuschung, Erklärungsnot und Zukunftsangst mit. Vielleicht auch die Reaktion der Eltern, das Schweigen der Verwandtschaft oder der Blick jener Freunde, die scheinbar geradlinig weitermachen. Andere schreiben ihre Abschlussarbeit, beginnen ein Referendariat oder unterschreiben den ersten Arbeitsvertrag, während man selbst erklären soll, warum man ausgestiegen ist.

Die meisten Menschen reagieren auf einen Studienabbruch, als sei etwas Eindeutiges geschehen. Entweder war der Betroffene nicht diszipliniert genug, nicht belastbar genug oder schlicht nicht geeignet. Diese Deutung ist bequem, weil sie das Leben in einfache Kategorien sortiert: durchgehalten oder aufgegeben, bestanden oder versagt, erfolgreich oder gescheitert.

Nur hat das wirkliche Leben die unangenehme Angewohnheit, sich solchen Kategorien zu entziehen.

Manche Menschen brechen ein Studium ab, weil sie zu früh aufgegeben haben. Andere brechen ab, weil sie sich zum ersten Mal weigern, noch weitere Jahre in eine falsche Richtung zu investieren. Manche fliehen vor Anstrengung. Andere beenden endlich eine Anpassung, die sie geistig und körperlich längst ausgehöhlt hat.

Von außen kann beides gleich aussehen. Innerlich besteht ein gewaltiger Unterschied.

Das Master Key System beginnt nicht mit der Frage, wie eine Entscheidung gesellschaftlich bewertet wird. Es beginnt mit der Frage nach der Ursache. Was hat zu diesem Studium geführt? Welche Gedanken, Erwartungen, Ängste und Ideale standen dahinter? Was hat während des Studiums gewirkt? Und aus welchem Bewusstseinszustand heraus wurde der Abbruch vollzogen?

Erst wenn diese Fragen ehrlich beantwortet werden, lässt sich erkennen, ob der Studienabbruch ein Rückzug aus Angst oder der erste bewusste Schritt in ein eigenes Leben war.

Ein abgebrochenes Studium ist keine abgebrochene Zukunft

Die gefährlichste Wirkung eines Studienabbruchs liegt häufig nicht im Verlust der bisherigen Ausbildung. Sie liegt in der Bedeutung, die der junge Mensch diesem Verlust gibt.

Aus „Ich habe dieses Studium nicht beendet“ wird schnell „Ich bringe nichts zu Ende“. Aus „Dieser Weg hat nicht zu mir gepasst“ wird „Ich weiß nicht, was ich will“. Aus einer Entscheidung wird eine Identität.

Genau an diesem Punkt beginnt das innere Problem.

Das Master Key System unterscheidet zwischen einem Ereignis und dem Gedanken, den wir dauerhaft mit diesem Ereignis verbinden. Das Ereignis selbst ist abgeschlossen: Ein Studium wurde beendet, ohne dass ein Abschluss erworben wurde. Was danach weiterwirkt, ist die innere Auslegung.

Diese Auslegung kann zur Last oder zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung werden.

Ein Studium abzubrechen bedeutet nicht, dass du unfähig bist. Es bedeutet zunächst nur, dass eine bestimmte Verbindung zwischen dir, einem Fach, einer Institution und einer Lebensphase nicht bis zum vorgesehenen Ende geführt hat. Die Gründe dafür müssen untersucht werden. Sie dürfen aber nicht vorschnell zu einem Urteil über deinen gesamten Charakter gemacht werden.

Wer aus einem einzelnen Misserfolg ein allgemeines Lebensgesetz bildet, betreibt keine Selbsterkenntnis. Er betreibt geistige Selbstverstümmelung.

Ein Studium kann enden. Deine Lernfähigkeit, deine Intelligenz, deine schöpferischen Möglichkeiten und dein Wert enden damit nicht.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053