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Kapitel 21 – Große Gedanken als Geheimnis des Erfolges

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Inhaltsverzeichnis[Verstecken]
  1. Moderne Kommentare zu den 28 Lehrabsätzen
  2. Vorbemerkung
  3. 1. Das Geheimnis der Macht ist Machtbewusstsein
  4. 2. Anerkannte innere Macht sucht äußeren Ausdruck
  5. 3. Das Individuum gibt der unendlichen Energie eine besondere Form
  6. 4. Verbindung mit dem Universellen erhöht die verfügbare Energie
  7. 5. Unvollständige Umstände werden durch eine neue geistige Ursache verändert
  8. 6. Große Gedanken entziehen kleinen Gedanken den Raum
  9. 7. Der Meisterdenker denkt in Dimensionen des Prinzips
  10. 8. Das Unterbewusstsein übernimmt beharrlich gehaltene Bilder als Muster
  11. 9. Das Leben spiegelt die vorherrschende geistige Haltung
  12. 10. Wiederholte Gedanken bilden Neigungen, Charakter und Lebensrichtung
  13. 11. Das Gesetz der Anziehung verbindet innere und äußere Erfahrung
  14. 12. Die vorherrschende Geisteshaltung ist der Magnet
  15. 13. Persönlichkeit ist verdichtetes Denken
  16. 14. Geisteshaltung verändert sich durch neue innere Bilder
  17. 15. Das vollkommene Bild wird gehalten, bis es innere Wirklichkeit geworden ist
  18. 16. Das Bild muss die benötigten inneren Fähigkeiten enthalten
  19. 17. Das höchste Ziel ruft die höchsten Kräfte hervor
  20. 18. Gewohnheiten verändern sich durch wiederholtes Tun und Nichttun
  21. 19. Ein wahres Ideal verdient Vertrauen
  22. 20. Der tiefste Kampf des Lebens ist ein Kampf der Ideen
  23. 21. Wissen kann bewahren oder befreien
  24. 22. In einer lebendigen Welt ist Stillstand unmöglich
  25. 23. Gesellschaftliche Unruhe kann eine Geburtssymptomatik sein
  26. 24. Das Festhalten an überlebten Formen erzeugt Angst
  27. 25. Gesellschaftliche Ordnung beginnt im Menschenbild
  28. 26. Keine äußere Klasse besitzt ein Monopol auf die Quelle
  29. 27. Das Göttliche macht keine persönlichen Ausnahmen
  30. Die Wochenübung: Konzentration auf die Wahrheit
  31. 28. Wahrheit macht frei, weil sie die falsche Ursache beendet
  32. Abschließende Essenz von Kapitel 21

Moderne Kommentare zu den 28 Lehrabsätzen

Vorbemerkung

Mit Kapitel 21 beginnt der letzte Monat des Lehrgangs. Die bisherigen Erkenntnisse werden nun nicht mehr hauptsächlich einzeln erklärt. Sie sollen sich zu einem Meisterbewusstsein verbinden: zu einer inneren Haltung, die das Gesetz nicht nur kennt, sondern selbstverständlich von der Ursache her denkt.

Der gewöhnliche Geist reagiert auf Erscheinungen. Er betrachtet den gegenwärtigen Zustand, hält ihn für maßgeblich und entwirft aus ihm die Zukunft. Das Meisterbewusstsein verfährt umgekehrt: Es erkennt in der sichtbaren Wirklichkeit eine Wirkung vergangener Ursachen und richtet sich auf eine größere, noch unsichtbare Ursache aus.

„Große Gedanken“ sind dabei nicht einfach Gedanken an großen Besitz, Ruhm oder spektakuläre Leistungen. Ein Gedanke ist groß, wenn er:

  • über die momentane Erscheinung hinausreicht,

einem universellen Prinzip entspricht,

nicht nur dem persönlichen Vorteil, sondern einem größeren Zusammenhang dient,

den Menschen innerlich wachsen lässt,

und genügend Wahrheit enthält, um eine dauerhafte Form tragen zu können.

  • Ein kleiner Gedanke fragt: „Wie kann ich mich gegen die Welt absichern?“

Ein großer Gedanke fragt: „Welchen Wert kann ich in die Welt bringen?“

Ein kleiner Gedanke fragt: „Wie kann ich wichtiger erscheinen?“

Ein großer Gedanke fragt: „Wie kann ich meiner wirklichen Aufgabe entsprechen?“

Ein kleiner Gedanke will das Symbol besitzen.

Ein großer Gedanke entwickelt die innere Wirklichkeit, aus der angemessene Symbole hervorgehen können.

Das Vorwort verbindet diese Lehre mit dem Gebet. Haanel betrachtet Gebet nicht als Bitte an eine launenhafte äußere Gottheit. Wenn das Universum ein Kosmos – eine geordnete Ganzheit – und kein Chaos ist, muss auch geistige Wirksamkeit gesetzmäßig sein.

Gebet wäre dann die bewusste Herstellung einer inneren Übereinstimmung:

Der Gedanke erkennt das Ideal. Das Gefühl belebt es. Das Unterbewusstsein nimmt es auf. Das individuelle Bewusstsein stimmt sich auf das Universelle ein. Aus dieser Verbindung entstehen Einsicht, Handlung und entsprechende Lebensformen.

Ein Gebet wird deshalb nicht dadurch wirksam, dass Worte oft genug wiederholt werden. Es wird wirksam, wenn die Trennung zwischen Gebet, Betendem und geistiger Wirklichkeit schrittweise aufgehoben wird.

Man bittet nicht nur um Frieden – man lässt Frieden zur vorherrschenden inneren Ursache werden. Man bittet nicht nur um Versorgung – man tritt in ein Bewusstsein von Wert, Austausch und schöpferischer Möglichkeit ein. Man bittet nicht nur um Führung – man wird still genug, um Führung zu empfangen, und bereit genug, ihr zu folgen.

Kapitel 21 ist damit keine Lehre über größere Wünsche. Es ist eine Lehre über die Vergrößerung des Bewusstseins, das wünscht.

1. Das Geheimnis der Macht ist Machtbewusstsein

Je bewusster wir unsere Einheit mit dem Unbegrenzten erkennen, desto weniger bestimmen frühere Begrenzungen unsere Identität.

Macht ist zunächst nicht Besitz, Einfluss oder körperliche Stärke. Sie beginnt als Bewusstsein von Möglichkeit.

Wer sich ausschließlich seiner Einschränkungen bewusst ist, richtet Wahrnehmung und Handlung auf diese Einschränkungen aus. Wer sich dagegen der inneren Quelle bewusst wird, erkennt neue Beziehungen und Handlungsspielräume.

Das bedeutet nicht, reale Grenzen zu leugnen. Machtbewusstsein sieht sie, macht sie jedoch nicht zur Definition des eigenen Wesens.

Das Universelle Bewusstsein ist „bedingungslos“, weil es nicht an eine einzelne Form gebunden ist. Je mehr sich der Mensch mit dieser formgebenden Quelle identifiziert, desto weniger hält er eine gegenwärtige Form für endgültig.

Freiheit beginnt dort, wo Bedingung nicht mehr mit Wesen verwechselt wird.

2. Anerkannte innere Macht sucht äußeren Ausdruck

Was im Bewusstsein wirklich erkannt und aufgenommen wird, beginnt Wahrnehmung, Fähigkeit und Lebensgestaltung zu verändern.

Bewusstsein ist keine passive Sammlung von Gedanken. Was wir wirklich anerkennen, wird zum inneren Bezugspunkt.

Wenn ein Mensch seine schöpferische Fähigkeit erkennt, beginnt er anders zu beobachten. Er sieht nicht nur das Vorhandene, sondern auch das Veränderbare. Aus dieser Wahrnehmung entstehen neue Entscheidungen und Fähigkeiten.

Haanel beschreibt dies als unvermeidlichen Ausdruck in der objektiven Welt. Die konkrete äußere Form kann zeitlich verzögert oder anders sein als erwartet. Doch eine echte innere Erkenntnis kann nicht völlig folgenlos bleiben.

Sie verändert mindestens den Menschen, durch den die nächste Ursache gesetzt wird.

3. Das Individuum gibt der unendlichen Energie eine besondere Form

Jeder Mensch ist ein einzigartiger Kanal, durch den sich universelles Potenzial individualisieren kann.

Das Universelle ist eins und unteilbar, erscheint aber in unzähligen besonderen Formen. Jeder Mensch besitzt eine andere Geschichte, Perspektive und Verbindung von Fähigkeiten.

Individualität ist daher keine Trennung von der Quelle. Sie ist eine besondere Art, wie die Quelle sichtbar werden kann.

Denken ist die formgebende Tätigkeit. Es wählt aus dem Feld möglicher Beziehungen eine Richtung und übersetzt sie in Bild, Wort und Handlung.

Damit ist jeder Mensch Mitgestalter – nicht als isolierter Alleinschöpfer, sondern als individueller Ausdruck einer größeren schöpferischen Wirklichkeit.

4. Verbindung mit dem Universellen erhöht die verfügbare Energie

Wenn sich das individuelle Bewusstsein seiner Quelle öffnet, erhält es Zugang zu Möglichkeiten, die sein bisheriges Selbstbild übersteigen.

Haanel vergleicht dies mit einem Kabel, das an eine Stromquelle angeschlossen wird. Das Kabel erzeugt die Energie nicht, kann sie aber leiten.

Die innere Verbindung zeigt sich praktisch als Inspiration, Mut, Ausdauer, Klarheit und eine überraschend größere Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen.

Sie sollte nicht mit dauerhafter Hochstimmung verwechselt werden. Manchmal zeigt sich Verbindung gerade als ruhige Gewissheit mitten in einer schwierigen Aufgabe.

Die innere Welt ist wirklich, weil aus ihr Richtung, Bedeutung und Handlungskraft hervorgehen. Ihre Anerkennung entscheidet, ob diese Kräfte bewusst verfügbar werden.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053