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Kapitel 18 – Das Gesetz der Anziehung

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Inhaltsverzeichnis[Verstecken]
  1. Moderne Kommentare zu den 33 Lehrabsätzen
  2. Vorbemerkung
  3. 1. Ein stiller Wandel des Bewusstseins kann mächtiger sein als eine äußere Revolution
  4. 2. Bewusstseinswandel durchdringt alle gesellschaftlichen Ebenen
  5. 3. Wissenschaftliche Erkenntnis erweitert den Raum des Möglichen
  6. 4. Eine neue Zivilisation braucht neue innere Grundlagen
  7. 5. Ein neues Bewusstsein entdeckt Macht im eigenen Inneren
  8. 6. Materie, Energie und Bewusstsein weisen auf verschiedene Tiefen derselben Wirklichkeit
  9. 7. Bewusstsein ist für Haanel die innewohnende Wirklichkeit
  10. 8. Intelligenz zeigt sich als Fähigkeit zu bewusster Anpassung
  11. 9. Das Universelle folgt uns, wenn wir zuerst seiner Ordnung folgen
  12. 10. Erkenntnis des Gesetzes erweitert menschliche Macht
  13. 11. Selbsterkenntnis beendet die unbewusste Knechtschaft unter dem Gesetz
  14. 12. Die schöpferische Kraft stammt aus dem Universellen
  15. 13. Form entsteht durch geordnete Schwingungsverhältnisse
  16. 14. Denken verbindet Endliches und Unendliches
  17. 15. Richtiges Verständnis ist ein Empfangsinstrument
  18. 16. Bloßer Glaube beweist noch nichts
  19. 17. Geprüfter Glaube wird zu lebendigem Vertrauen
  20. 18. Ergebnisse entsprechen der Qualität des verwendeten inneren Apparates
  21. 19. Ein begrenztes Instrument zeigt nur einen begrenzten Ausschnitt
  22. 20. Die Methoden geistiger Verbindung können verfeinert werden
  23. 21. Das Universelle tritt durch Anziehung in die sichtbare Welt
  24. 22. Liebe ist das Prinzip schöpferischer Verbindung
  25. 23. Wachstum ist sichtbar gewordene Anziehung
  26. 24. Geben und Empfangen sind zwei Seiten desselben Austausches
  27. 25. Innerer Reichtum ist die Quelle äußeren Wohlstands
  28. 26. Geistige Arbeit ist ein wesentlicher Beitrag zum menschlichen Wohlstand
  29. 27. Denken setzt das Gesetz der Anziehung in Bewegung
  30. 28. Denken bringt das ruhende Potenzial des Bewusstseins in Bewegung
  31. 29. Macht wächst durch Machtbewusstsein und Gebrauch
  32. 30. Aufmerksamkeit ist das Werkzeug geistiger Macht
  33. 31. Genie zeigt sich als außergewöhnlich entwickelte Aufmerksamkeit
  34. 32. Interesse und Aufmerksamkeit verstärken einander
  35. Die Wochenübung: Die schöpferische Kraft als Gesetz verstehen
  36. 33. Von blindem Glauben zur erkannten Verursachung
  37. Das Bild der Luft
  38. Das Bild der Saat
  39. Die gewünschte Saat bestimmen
  40. Die Saat innerlich beleben
  41. Das Gesetz des Wachstums respektieren
  42. Die Frucht richtig beurteilen
  43. Abschließende Essenz von Kapitel 18

Moderne Kommentare zu den 33 Lehrabsätzen

Vorbemerkung

Kapitel 18 vertieft das Gesetz der Anziehung, indem es den Menschen nicht als isoliertes Wesen, sondern als Beziehungswesen betrachtet.

Ein Mensch ist Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter, Freund, Mitarbeiter oder Mitbürger nur durch seine Beziehung zu anderen. Auch Fähigkeiten, Charaktereigenschaften und Lebensaufgaben treten erst in Beziehungen sichtbar hervor. Ohne Beziehung zum Ganzen wäre das individuelle Ich, wie Haanel schreibt, nur ein abstraktes Ego ohne konkrete Erfahrungswelt.

Daraus folgt eine weitreichende Erkenntnis:

Unsere Umwelt besteht nicht nur aus Dingen und Orten. Sie besteht aus der Art unserer Beziehung zu ihnen.

Zwei Menschen können sich in nahezu identischen äußeren Umständen befinden und dennoch in unterschiedlichen inneren Welten leben. Der eine erlebt eine Situation als Gefängnis, der andere als Übergang. Der eine sieht in einem Menschen einen Gegner, der andere einen Lehrer, Partner oder Spiegel. Der äußere Gegenstand mag derselbe sein; die Beziehung erzeugt eine andere Wirklichkeit.

Das Gesetz der Anziehung beschreibt deshalb nicht nur ein geheimnisvolles Herbeiziehen äußerer Dinge. Es beschreibt das universelle Prinzip, durch das Beziehungen entstehen:

  • Atome und Moleküle verbinden sich in bestimmten Ordnungen.

Lebewesen nehmen auf, was ihrem Wachstum dient.

Gedanken verbinden sich mit verwandten Gedanken.

Interessen lenken Aufmerksamkeit auf entsprechende Informationen.

Überzeugungen beeinflussen, welche Möglichkeiten erkannt oder übersehen werden.

Menschen treten aufgrund gemeinsamer Werte, Bedürfnisse und innerer Muster miteinander in Resonanz.

  • Haanel setzt dieses verbindende Prinzip mit dem Gesetz der Liebe gleich. Liebe bedeutet hier nicht ausschließlich persönliche Zuneigung. Sie ist das umfassende Prinzip von Beziehung, Anziehung, Verbindung und Vereinigung. In unterschiedlichen Bereichen wird dieses Prinzip technisch verschieden beschrieben, doch metaphysisch erkennt Haanel darin dieselbe Grundbewegung: Das Leben sucht Beziehung, um Form, Erfahrung und Wachstum hervorzubringen.

Kapitel 18 fragt daher nicht nur: „Was möchte ich anziehen?“ Es fragt wesentlich anspruchsvoller:

„Welche Qualität von Beziehung stelle ich durch mein Denken zum Ganzen her?“

1. Ein stiller Wandel des Bewusstseins kann mächtiger sein als eine äußere Revolution

Die tiefgreifendsten Veränderungen beginnen häufig unsichtbar in den Denkweisen einer Gesellschaft.

Äußere Institutionen verändern sich meist erst, nachdem sich die Vorstellungen vieler Menschen verschoben haben. Was gestern undenkbar erschien, wird zunächst diskutierbar, dann möglich und schließlich selbstverständlich.

Dieser Wandel vollzieht sich lange im Unsichtbaren. Neue Werte, Fragen und Begriffe verbreiten sich, bevor sie politische, wirtschaftliche oder kulturelle Formen annehmen.

Haanel erkennt zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine solche Bewusstseinsveränderung. Auch heute erleben wir, wie sich Vorstellungen von Arbeit, Gesundheit, Technologie, Beziehungen und Spiritualität neu ordnen.

Wer nur sichtbare Ereignisse betrachtet, sieht die Wirkung. Wer auf das Bewusstsein achtet, erkennt die entstehende Ursache.

2. Bewusstseinswandel durchdringt alle gesellschaftlichen Ebenen

Neue Denkweisen bleiben nicht auf einzelne Gruppen beschränkt, sondern verändern schrittweise die gesamte Gesellschaft.

Eine wirkliche geistige Revolution ist nicht bloß die Mode einer kleinen gebildeten Schicht. Sie erreicht unterschiedliche Lebensbereiche und wird von verschiedenen Menschen jeweils in ihrer eigenen Sprache aufgenommen.

Dabei entstehen Spannungen. Alte und neue Weltbilder bestehen zeitweise nebeneinander. Menschen benutzen möglicherweise dieselben Worte, meinen aber bereits etwas völlig anderes.

Das Gesetz der Anziehung wirkt auch kollektiv: Ähnliche Fragen, Bedürfnisse und Erfahrungen verbinden Menschen, die voneinander zunächst nichts wissen. Dadurch bilden sich Bewegungen, Gemeinschaften und neue gesellschaftliche Formen.

Das kollektive Bewusstsein ist kein einheitlicher Wille. Es ist ein Beziehungsfeld, in dem viele individuelle Gedanken einander verstärken, korrigieren oder herausfordern.

3. Wissenschaftliche Erkenntnis erweitert den Raum des Möglichen

Je tiefer die Wissenschaft in die Natur eindringt, desto vorsichtiger wird sie gegenüber vorschnellen Urteilen über das Mögliche und Unmögliche.

Wirkliche Wissenschaft ist keine Sammlung unveränderlicher Dogmen. Sie entwickelt Modelle, prüft sie und verändert sie, wenn Beobachtungen umfassendere Erklärungen verlangen.

Viele heutige Selbstverständlichkeiten wären früher undenkbar erschienen. Das rechtfertigt nicht jede beliebige Behauptung. Aber es empfiehlt erkenntnistheoretische Demut.

Eine reife Haltung vermeidet zwei Extreme: Sie erklärt nicht alles Unverstandene sofort zum Wunder, verwirft es aber auch nicht allein deshalb, weil die gegenwärtige Theorie noch keinen Platz dafür besitzt.

Offenheit und Prüfung gehören zusammen. Erst ihre Verbindung schafft ein Bewusstsein, das neue Wahrheit empfangen kann, ohne der Täuschung schutzlos ausgeliefert zu sein.

4. Eine neue Zivilisation braucht neue innere Grundlagen

Wenn überlieferte Formen ihre Lebenskraft verlieren, müssen Vision, Vertrauen und Dienst an ihre Stelle treten.

Traditionen können Weisheit bewahren. Sie können jedoch auch zu leeren Formen werden, wenn ihr ursprünglicher Sinn nicht mehr lebendig ist.

Haanel erwartet eine Zivilisation, die sich weniger auf starre Glaubenssätze und stärker auf Vision, Vertrauen und Dienst gründet. Diese drei Begriffe bilden eine schöpferische Einheit:

  • Vision erkennt eine höhere Möglichkeit.

Vertrauen hält die Verbindung zu ihr aufrecht.

Dienst übersetzt sie in einen Wert für das Ganze.

  • Ohne Vision bleibt Dienst bloße Routine. Ohne Vertrauen zerbricht die Vision am ersten Widerstand. Ohne Dienst wird die Vision zur selbstbezogenen Fantasie.

Eine neue Welt entsteht nicht nur aus neuen Technologien, sondern aus einer neuen Qualität der Beziehung.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053