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Grenzen setzen

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Wie das Master Key System dabei hilft, Grenzen zu setzen und diese auch bewusst zu verteidigen.

Einleitung

In diesem Artikel dreht es sich um das Setzen von Grenzen. Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Eine Grenze ist keine Strafe und kein Versuch, einen anderen Menschen zu beherrschen. Sie beschreibt nicht, was der andere fühlen, denken oder tun muss. Sie beschreibt, was du zulässt, woran du teilnimmst und welche Handlung du vollziehst, wenn eine bestimmte Linie überschritten wird.

Viele Menschen haben nie gelernt, Grenzen auf diese Weise zu verstehen. Für sie bedeutet ein Nein Härte, Zurückweisung oder Liebesentzug. Sie möchten gute Partner, verlässliche Freunde, loyale Familienmitglieder und hilfsbereite Kollegen sein. Darum sagen sie Ja, wenn ihr Inneres längst Nein sagt. Sie hören weiter zu, obwohl sie erschöpft sind, übernehmen Aufgaben, für die sie keine Kraft besitzen, tolerieren Respektlosigkeit und erklären ihre eigene Überforderung zur Tugend.

Das Master Key System ist für dieses Thema besonders geeignet, weil es die innere Autorität des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der bewusste Verstand soll prüfen, auswählen und Richtung geben. Er ist der Wächter, der entscheidet, welche Eindrücke, Forderungen und Suggestionen Zutritt zum Unterbewusstsein erhalten. Doch ein Wächter, der jede Tür offen lässt, erfüllt seine Aufgabe nicht. Wer jede fremde Erwartung ungeprüft übernimmt, gibt die Ursache des eigenen Lebens schrittweise nach außen ab.

Grenzen setzen bedeutet deshalb weit mehr, als gelegentlich Nein zu sagen. Es bedeutet, die Übereinstimmung zwischen Erkenntnis und Handlung wiederherzustellen. Ein Gedanke, der keine Form erhält, bleibt schwach. Eine Grenze, die ausgesprochen, aber niemals umgesetzt wird, prägt weder den anderen noch das eigene Unterbewusstsein. Sie wird zu einer Bitte, die der Mensch selbst nicht ernst nimmt.

Grenzen gehören zu jedem lebendigen System.

Eine Haut trennt den Körper von seiner Umgebung und ermöglicht gerade dadurch Austausch. Eine Zellmembran lässt bestimmte Stoffe hinein und hält andere zurück. Eine Haustür kann geöffnet und geschlossen werden. Ohne diese Grenze wäre das Haus kein geschützter Raum, sondern bloß ein Durchgang.

Auch menschliche Beziehungen brauchen solche Formen. Nähe ohne Grenze wird nicht automatisch zu größerer Liebe. Sie kann zur Vereinnahmung werden. Hilfsbereitschaft ohne Grenze wird nicht zwangsläufig zu Güte. Sie kann Abhängigkeit, Ausbeutung und stillen Groll erzeugen.

Trotzdem empfinden viele Menschen Grenzen als etwas Unfreundliches. Sie glauben, ein guter Mensch müsse möglichst zugänglich, verständnisvoll und verfügbar sein. Wer Nein sagt, erscheint egoistisch. Wer sich zurückzieht, gilt als kalt. Wer Bedingungen nennt, liebt angeblich nicht bedingungslos.

Solche Vorstellungen klingen moralisch und erzeugen doch häufig Beziehungen, in denen Wahrheit kaum noch möglich ist. Der Mensch sagt Ja und meint Nein. Er bleibt und möchte gehen. Er hilft und empfindet Wut. Er lächelt, während er sich innerlich verschließt.

Das ist keine Liebe.

Es ist eine Spaltung zwischen äußerer Form und innerer Wahrheit.

Eine Grenze ist keine Forderung an den anderen

Viele Konflikte entstehen, weil Menschen Wünsche, Drohungen und Grenzen miteinander verwechseln.

„Du darfst nicht so mit mir sprechen“ klingt wie eine Grenze, beschreibt aber zunächst eine Forderung an das Verhalten des anderen. Vielleicht ist diese Forderung berechtigt. Doch sie sagt noch nichts darüber aus, was du selbst tun wirst, wenn das Verhalten fortgesetzt wird.

Eine wirkliche Grenze lautet etwa:

„Wenn du mich beschimpfst, beende ich das Gespräch.“

Oder:

„Wenn du in meiner Wohnung rauchst, bitte ich dich zu gehen.“

Die Grenze liegt nicht in der Hoffnung, der andere werde sich ändern. Sie liegt in deiner eigenen Handlung.

Das Master Key System lehrt, dass der Mensch dort Ursache werden soll, wo er tatsächlichen Einfluss besitzt. Die Gedanken, Entscheidungen und Bewegungen anderer Menschen gehören nur begrenzt in diesen Bereich.

Du kannst klar sprechen.

Du kannst bitten.

Du kannst Konsequenzen ziehen.

Du kannst jedoch nicht erzwingen, dass der andere deine Grenze gut findet.

Eine Grenze, die von Zustimmung abhängig ist, ist keine Grenze. Sie ist eine Verhandlung über dein Recht, dich zu schützen.

Warum ein Nein so schwerfallen kann

Ein Nein ist sprachlich klein und innerlich manchmal gewaltig.

Wer früh gelernt hat, Liebe durch Anpassung zu sichern, erlebt ein Nein nicht nur als Sachentscheidung. Es fühlt sich wie eine Gefahr für die Beziehung an.

Das Kind sagt Ja, weil die Mutter sonst enttäuscht ist. Es übernimmt Verantwortung, weil der Vater gereizt reagiert. Es wird pflegeleicht, weil in der Familie kein Raum für weitere Belastung besteht.

Mit der Zeit entsteht eine Verbindung:

Zustimmung bedeutet Sicherheit.

Widerspruch bedeutet Verlust.

Der erwachsene Mensch kann intellektuell wissen, dass er Nein sagen darf. Sein Körper reagiert dennoch mit Herzklopfen, Unruhe oder Schuld. Das Unterbewusstsein hat über Jahre gelernt, dass Grenzsetzung Beziehung gefährdet.

Das Master Key System beschreibt, wie wiederholte Gedanken und Erfahrungen zu Gewohnheiten werden. Solche Gewohnheiten sind nicht nur äußerlich. Auch Zustimmung kann automatisch werden.

Der Mensch hört eine Bitte und sagt Ja, bevor er überhaupt geprüft hat, ob er Zeit, Kraft oder wirkliche Bereitschaft besitzt.

Erst später entsteht Ärger.

Der bewusste Wächter war nicht anwesend.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053