Pflegende Angehörige – wenn Fürsorge das eigene Leben verschlingt

Wie das Master Key System hilft, Liebe, Pflicht, Schuldgefühl und Selbstfürsorge in eine tragfähige Ordnung zu bringen

Einleitung

Pflege beginnt häufig nicht mit einer bewussten Entscheidung. Sie schleicht sich in das Leben.

Zuerst wird beim Einkaufen geholfen. Dann kommen Arzttermine hinzu, Medikamente müssen sortiert, Rechnungen geregelt und Gespräche mit Versicherungen geführt werden. Später kann der Angehörige nicht mehr allein aufstehen, sich waschen oder die Nacht ohne Hilfe bewältigen.

Aus einer gelegentlichen Unterstützung wird eine tägliche Aufgabe. Aus der täglichen Aufgabe wird ein Zustand.

Irgendwann merkt der pflegende Mensch, dass sein eigenes Leben nur noch zwischen den Bedürfnissen eines anderen stattfindet. Er arbeitet, organisiert, tröstet, wäscht, hebt, telefoniert und versucht, die nächste Krise zu verhindern.

Dabei fragt kaum jemand, wie es ihm selbst geht.

Vielleicht fragt er es sich nicht einmal mehr.

Pflegende Angehörige werden oft für ihre Stärke gelobt. Dieses Lob kann ehrlich gemeint sein. Es kann aber auch eine bequeme Form gesellschaftlicher Entlastung darstellen. Solange jemand als „unglaublich stark“ gilt, muss niemand genauer hinsehen, was ihm tatsächlich zugemutet wird.

Stärke wird dann zum schönen Wort für Überlastung.

Das Master Key System kann hier helfen, weil es den Menschen an sein inneres Zentrum erinnert. Es lehrt Dienst, Verantwortung und Liebe. Es verlangt aber ebenso Wahrheit, Ordnung und die bewusste Führung der eigenen Kräfte.

Pflege darf Ausdruck von Liebe sein.

Sie darf nicht zur langsamen Auslöschung des Pflegenden werden.

Pflege verändert eine Beziehung

Wer einen Elternteil, Ehepartner oder ein Kind pflegt, übernimmt nicht nur Aufgaben. Die gesamte Beziehung verändert sich.

Vielleicht war der Vater früher stark, entscheidungsfreudig und unabhängig. Nun muss die Tochter ihm beim Anziehen helfen. Vielleicht war die Ehepartnerin lange der Mittelpunkt der Familie. Nun erkennt sie ihren Mann wegen einer Demenz nicht mehr.

Diese Veränderung kann tief schmerzen.

Der Mensch, der gepflegt wird, ist körperlich noch da. Ein Teil dessen, was die Beziehung früher ausmachte, kann jedoch verloren gegangen sein.

Das führt zu einer besonderen Form der Trauer. Sie hat keinen klaren Anfang und häufig kein deutliches Ende. Man trauert um Fähigkeiten, Gespräche, gemeinsame Pläne und die frühere Persönlichkeit, während man gleichzeitig weiter funktionieren muss.

Für diese Trauer gibt es im Pflegealltag oft keinen Raum.

Es müssen Medikamente gegeben, Mahlzeiten vorbereitet und Termine eingehalten werden. Das Herz soll sich bitte nach dem Dienstplan richten.

Das tut es nicht.

Das Master Key System lädt dazu ein, innere Wirklichkeit nicht zu verleugnen. Liebe und Trauer können gleichzeitig bestehen. Du darfst einen Menschen lieben und dennoch das frühere Leben vermissen.

Du darfst dankbar sein und erschöpft.

Du darfst helfen und gelegentlich wünschen, du müsstest es nicht.

Solche Gedanken machen dich nicht zu einem schlechten Menschen.

Sie machen sichtbar, dass du ein Mensch bist.