Wie das Master Key System dabei hilft, Einsamkeit besser zu verstehen und dadurch sein Leben harmonischer zu gestalten.
In diesem Artikel dreht es sich um Einsamkeit. Dabei ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe. Ein Mensch kann allein in einem Raum sitzen und sich innerlich verbunden fühlen. Er kann von Menschen umgeben sein, in einer Partnerschaft leben, eine Familie besitzen, beruflich angesehen sein und sich dennoch fühlen, als erreiche niemand den Ort, an dem er wirklich lebt.
Einsamkeit ist deshalb nicht bloß das Fehlen anderer Menschen. Sie ist das Erleben fehlender Beziehung – zu anderen, zum eigenen inneren Leben und bisweilen zum Leben selbst.
Das Master Key System ist für dieses Thema besonders geeignet, weil es den Menschen nicht als passives Opfer äußerer Umstände betrachtet. Es leugnet diese Umstände nicht. Ein Mensch kann tatsächlich isoliert, verlassen, ausgegrenzt oder sozial entwurzelt sein. Doch es richtet den Blick zugleich auf die innere Ordnung, durch die Nähe wahrgenommen, zugelassen, verhindert oder ständig wieder verloren wird.
Der bewusste Verstand wählt, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird. Der unterbewusste Verstand übernimmt wiederholte Gedanken, Bilder und Gefühle als Arbeitsgrundlage. Durch Gewohnheit entstehen geistige Pfade, über die Wahrnehmung und Verhalten immer leichter in dieselbe Richtung fließen. Wer lange genug erwartet, übersehen, abgelehnt oder nicht verstanden zu werden, begegnet anderen Menschen nicht mehr neutral. Er begegnet ihnen durch ein inneres Muster, das bereits vor dem ersten Wort festlegt, was wahrscheinlich geschehen wird.
Das bedeutet nicht, dass einsame Menschen ihre Einsamkeit einfach falsch gedacht haben.
Es bedeutet, dass Einsamkeit im Laufe der Zeit zu einer inneren Form werden kann, die sich selbst bestätigt.
Genau dort setzt die Arbeit des Master Key Systems an.
Einsamkeit hat viele Gesichter.
Sie sitzt am Abend in einer stillen Wohnung und hört den Geräuschen anderer Menschen hinter den Wänden zu. Sie liegt neben einem Partner, der körperlich anwesend ist, aber seit Jahren nicht mehr wirklich fragt, wie es einem geht. Sie nimmt an Familienfeiern teil, lächelt, hilft beim Abräumen und merkt, dass niemand eine Ahnung davon hat, was im eigenen Inneren geschieht.
Sie erscheint in Gruppen, in denen man willkommen ist, solange man eine bestimmte Rolle erfüllt.
Der Unterhaltsame darf alle zum Lachen bringen, aber nicht traurig werden.
Die Starke darf helfen, organisieren und tragen, aber nicht zusammenbrechen.
Der Erfolgreiche darf Lösungen anbieten, aber keine Unsicherheit zeigen.
Die Spirituelle darf Hoffnung verbreiten, aber nicht zugeben, dass sie selbst gerade keinen Sinn erkennt.
Der Mensch ist dann nicht ohne Gesellschaft.
Er ist ohne einen Ort, an dem er vollständig erscheinen darf.
Das erklärt, weshalb Einsamkeit nicht einfach durch mehr Kontakte verschwindet. Zehn oberflächliche Begegnungen können die Leere sogar verstärken, wenn sie erneut bestätigen, dass man zwar gesehen, aber nicht erkannt wird.
Der Mensch spricht.
Doch er sagt nicht, was ihn wirklich bewegt.
Er wird gefragt.
Doch er antwortet mit einer verträglichen Version.
Er wird eingeladen.
Doch er nimmt nicht sein wirkliches Selbst mit.
Danach kehrt er nach Hause zurück und glaubt, niemand verstehe ihn.
Vielleicht stimmt das.
Vielleicht hatte aber auch niemand die Möglichkeit, ihn zu verstehen.
Alleinsein beschreibt zunächst eine äußere Tatsache.
Es befindet sich gerade kein anderer Mensch im Raum. Man lebt allein, reist allein, arbeitet allein oder verbringt einen Abend ohne Gesellschaft.
Diese Tatsache kann angenehm, neutral oder schmerzhaft sein.
Einsamkeit beschreibt dagegen die erlebte Qualität von Beziehung.
Ein Mensch fühlt sich nicht verbunden, nicht gemeint, nicht gespiegelt oder nicht zugehörig. Die Beziehung zu anderen scheint dünn, unsicher oder vollständig abgebrochen.
Deshalb kann Alleinsein sogar ein Schutz vor Einsamkeit sein.
Wer allein ein Buch liest, Musik hört, arbeitet, betet, denkt oder spazieren geht, kann sich innerlich gesammelt fühlen. Er steht in Beziehung zu sich selbst, zu einem Werk, einer Idee, der Natur oder einer geistigen Wirklichkeit.
In unpassender Gesellschaft kann diese Beziehung verloren gehen.
Der Mensch muss sich anpassen, reagieren und darstellen. Er wird äußerlich beschäftigt und innerlich verlassen.
Das Master Key System beginnt seine Übungen häufig mit Stille, körperlicher Ruhe und Konzentration. Diese Stille ist nicht als Flucht aus dem Leben gedacht. Sie dient dazu, die zerstreute Aufmerksamkeit zurückzurufen und die Beziehung zur inneren Ursache wiederherzustellen.
Ein Mensch, der Stille nicht ertragen kann, ist deshalb nicht automatisch besonders gesellig.
Vielleicht fürchtet er den Augenblick, in dem keine äußere Stimme mehr übertönt, was in ihm selbst ungehört geblieben ist.
Unsere Zeit behandelt viele menschliche Probleme nach dem Prinzip der Menge.
Wer einsam ist, soll mehr unter Menschen gehen.
Mehr Veranstaltungen besuchen.
Mehr Kontakte knüpfen.
Mehr Nachrichten schreiben.
Mehr Plattformen nutzen.
Dieser Rat kann sinnvoll sein, wenn tatsächliche Isolation das Hauptproblem darstellt. Wer niemandem begegnet, kann schwer neue Beziehungen aufbauen.
Doch mehr Kontakt ist nicht automatisch mehr Verbindung.
Ein Mensch kann täglich Dutzende Nachrichten erhalten und dennoch niemanden haben, den er nachts in einer Krise anrufen würde.
Er kann tausend Follower besitzen und das Gefühl haben, bei längerem Schweigen sofort vergessen zu werden.
Er kann in einem Großraumbüro arbeiten, in Gruppen chatten, an Videokonferenzen teilnehmen und abends feststellen, dass den ganzen Tag kein einziges echtes Gespräch stattgefunden hat.
Die moderne Gesellschaft hat Kommunikation vervielfacht und Beziehung ausgedünnt.
Sie verwechselt Erreichbarkeit mit Nähe.
Reaktion mit Anteilnahme.
Sichtbarkeit mit Bedeutung.
Das ist wirtschaftlich äußerst praktisch. Ein Mensch, dessen Aufmerksamkeit ständig beschäftigt wird, bemerkt später, dass sein inneres Leben verhungert. Dann erhält er weitere Angebote: Plattformen, Unterhaltung, Dating-Dienste, digitale Gemeinschaften und Produkte, die Zugehörigkeit versprechen.
Das System verkauft zunächst Zerstreuung und später Lösungen für die Leere, die diese Zerstreuung mit erzeugt hat.
Einsamkeit lässt sich jedoch nicht wegkonsumieren.
Sie verlangt Beziehung.
Und Beziehung verlangt Gegenwart.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053