Wie das Master Key System helfen kann, innere Unruhe, Katastrophengedanken und die ständige Erwartung von Gefahr neu zu ordnen
Angst kann ein vernünftiger Schutz sein. Sie warnt vor Gefahr, erhöht die Aufmerksamkeit und bereitet den Körper darauf vor, schnell zu handeln. Ohne Angst würden Menschen Risiken übersehen, Grenzen missachten und Gefahren unterschätzen.
Doch Angst kann ihren richtigen Platz verlieren.
Dann warnt sie nicht mehr nur vor einer wirklichen Gefahr. Sie beginnt, überall Gefahr zu vermuten. Ein körperliches Gefühl wird zur möglichen Krankheit. Eine verspätete Nachricht wird zum Zeichen eines Unglücks. Ein Gespräch wird bereits Tage vorher im Kopf durchgespielt, und jede mögliche Antwort endet in Ablehnung, Scham oder Kontrollverlust.
Der Mensch lebt äußerlich vielleicht in einem gewöhnlichen Alltag. Innerlich befindet er sich jedoch ständig wenige Sekunden vor einer Katastrophe.
Das kann sich als dauerhafte Unruhe zeigen, als Panik, als Angst vor Menschen, Krankheiten, engen Räumen, Reisen, Verlust, Versagen oder Kontrollverlust. Manchmal gibt es einen klaren Auslöser. Manchmal ist nur das Gefühl vorhanden, dass etwas nicht stimmt.
Das Master Key System kann bei solchen Zuständen eine wichtige Hilfe sein, weil es Aufmerksamkeit, Gedanken, Körper und Gewohnheit gemeinsam betrachtet. Es zeigt, dass der Mensch seine Angst beobachten, prüfen und schrittweise anders beantworten kann.
Es verspricht jedoch keine einfache Heilung durch positives Denken.
Eine Angststörung ist nicht bloß eine schlechte Meinung über das Leben. Sie kann tief im Nervensystem, in früheren Erfahrungen, körperlichen Reaktionen und fest eingeprägten Schutzmustern verankert sein.
Geistige Arbeit kann dabei helfen.
Sie darf notwendige medizinische oder psychologische Hilfe nicht ersetzen.
Menschen, die häufig Angst erleben, beginnen irgendwann, die Angst selbst zu fürchten.
Sie spüren Herzklopfen und denken: Jetzt geht es wieder los.
Die Atmung verändert sich. Der Körper wird beobachtet. Jede neue Empfindung bestätigt, dass etwas nicht stimmt.
So entsteht Angst vor der Angst.
Das ursprüngliche Warnsystem wird selbst zum Auslöser.
Das Master Key System fordert nicht, gegen jeden inneren Zustand zu kämpfen. Im Gegenteil: Was blind bekämpft wird, erhält häufig zusätzliche Aufmerksamkeit und Spannung.
Angst will zunächst schützen.
Das Problem besteht darin, dass sie eine Situation möglicherweise falsch einschätzt oder auf alte Erfahrungen reagiert, obwohl die gegenwärtige Lage sicherer ist.
Ein hilfreicher Satz lautet deshalb nicht: „Meine Angst ist falsch.“
Besser wäre: „Meine Angst versucht mich zu schützen. Ich prüfe, ob die Gefahr jetzt wirklich vorhanden ist.“
Diese Haltung nimmt die Angst ernst, ohne ihr automatisch zu gehorchen.

Zuerst kommt das Wissen, dann die Arbeit. Erst viel später, vielleicht nachdem Du gestorben bist, wächst etwas aus dem, was Du erschaffen hast.
- Mevlana Jalal al-Din Rumi (1207-1273), Mathnawi, V, 1053